Programm - Literaturhaus präsentiert
Angelika Klüssendorf: Trost
Über die Liebe, Entzweiung und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit
Ein Jahr, das alles verändert: 2022. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich aus der Welt. Für die siebzehnjährige Jane bekommt das Leben erste Risse. Zu Rita, ihrer Stiefmutter, hat sie eine tiefe Bindung. Und wie soll sie mit einem Krieg umgehen, dessen Gewalt sie nicht begreifen kann? Wird ihre Freundschaft mit Lea dieses abgründige Jahr überdauern? Joachim, ein Analphabet in der Seelenliebe, begegnet dagegen mit Ende sechzig einer unverhofften Liebe, die er nicht hinterfragen muss. Ein trotzig-heiterer Roman von beklemmender Aktualität, der nach Trost fragt in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Und: „Ein großer Roman über die deutsche Gegenwart und Befindlichkeit“ (Frankfurter Rundschau)
Moderation: Dr. Susanne Stemmler
Hanns Zischler: Yumikos Paravent
Ein Roman über Nähe, Distanz und eine Spurensuche
Gibt es Nähe, die (nur) in der Distanz überlebt? Klug und poetisch erzählt der Autor und Schauspieler Hanns Zischler die faszinierende Liebesgeschichte einer Modemacherin, die zwischen Berlin und Japan zwei Leben führt. Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter Johanna im fernen Japan erreicht Hanaka Wochen zu spät. Sie reist nach Kobe, um Johannas Modeatelier aufzulösen. In einer unvollendeten Leinenjacke findet sie ein ganzes Bündel Luftpostbriefe – von einem einzigen Absender, dem Berliner Maler Kusmín. Offenbar haben die beiden nach Johannas Wegzug aus Berlin über zwanzig Jahre eine intime, innige Brief-Beziehung geführt. Die überraschte Tochter begibt sich auf eine Spurensuche, die auch in ihre eigene Vergangenheit führt.
Moderation: Dr. Susanne Stemmler
Edgar Selge: Juras letzter Winter
Eine deutsch-russische Begegnung über die Geschichte hinweg
Achtung, anderer Eintrittspreis: 20 Euro, ermäßigt 10 Euro.
Die 872 Tage dauernde Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht 1941-44 ist angesichts vieler weiterer Kriegsverbrechen wenig in unseren Köpfen präsent. Das Tagebuch des 16-jährigen Jura Rjabinkin ist hingegen überliefert: Ein erschütterndes Zeugnis davon, wie die hungernde Bevölkerung litt. Der vielfach ausgezeichnete Schauspieler Edgar Selge, der im Alter von 73 Jahren mit dem Roman „Hast du uns endlich gefunden“ (2021) ein fulminantes Debüt als Schriftsteller gegeben hat, spürt diesem Jura nach. Er erfindet einen Erzähler, der beim Lesen des Tagebuchs dem verhungerten Jugendlichen immer näher kommt. Zwischen den beiden entspinnt sich ein Austausch über Jugend, Träume, Literatur, Mütter, Gewalt, Fremdheit und Nähe, sie geben einander ihre persönlichsten Geschichten preis.
Moderation: Katharina Erlenwein